Alnatura war über Jahre die Bio-Alternative im Migros-Regal — und ein unbequemer interner Vergleich für Migros' eigene Bio-Eigenmarken. Seit die Marke in der Schweiz zurückgezogen und ins Migros-Bio-Branding überführt wird, stellt sich eine einfache Frage:

Wenn der interne Preisanker wegfällt — lässt Migros die eigenen, oft teuren Bio-Preise unangetastet, statt sie nach unten zu konkurrenzieren?

Das ist unsere Hypothese. Hier ist, was die Daten von August 2025 bis Juni 2026 zeigen.

Der Bio-Korb bewegt sich kaum

Wir verfolgen einen festen Korb aus 16 Migros-Bio-Leitprodukten. Pro Position folgen wir einem konkret gelisteten Artikel über die Zeit (nicht einem wandernden Kategorie-Median) — so messen wir echte Preisänderungen, nicht Sortimentswechsel.

[Interaktive Grafik — in der Web-Ansicht auf foodally.ch]

Der Index steigt von 100 auf rund 110 — und das fast ausschliesslich durch einen Schritt im Herbst 2025. Danach ist der Bio-Korb bemerkenswert flach.

Verarbeitete Bio-Staples: praktisch eingefroren

Schaut man auf die einzelnen Leitprodukte, wird das Muster deutlich. Die verpackten Eigenmarken-Staples bewegen sich über elf Monate kaum:

[Interaktive Grafik — in der Web-Ansicht auf foodally.ch]

ProduktVeränderung
Bio Vollmilch 1 l±0 %
Bio Butter 200 g±0 %
Bio Weissmehl 1 kg±0 %
Bio Passierte Tomaten 500 g±0 %
Bio Olivenöl 750 ml (ehem. Alnatura-Umfeld)±0 %
Bio Kaffee 500 g+1,6 %
Bio Karotten 500 g+17,9 % (saisonal)
Bio Kartoffeln 1 kg−15,9 % (saisonal)

Was sich bewegt, ist fast nur saisonale Frischware (Karotten, Kartoffeln, Bananen) — also genau das, was sich saisonal immer bewegt. Die haltbaren Eigenmarken-Produkte stehen still.

Nach dem Rückzug von Alnatura senkt Migros seine Bio-Eigenmarken nicht. Die Preise verharren — konsistent mit der Annahme, dass ohne internen Konkurrenten kein Druck besteht, die eigene, höher kalkulierte Bio-Marge anzutasten.

Das Olivenöl: ein ehrlicher Faktencheck

Das Bio-Olivenöl war der Auslöser dieser Analyse. Hier ist wichtig, genau hinzusehen — und nicht mehr zu behaupten, als die Daten hergeben.

Was die Daten zeigen: Die Alnatura-Herkunfts-Öle in 500 ml und 750 ml bleiben über den ganzen Zeitraum durchgehend gelistet — zu stabilen Preisen (rote Linie im Diagramm oben). Von einem stillen Rückzug oder einer Verteuerung des Bio-Olivenöls ist in unseren Zahlen nichts zu sehen.

Alnatura verschwindet nicht — es wird umetikettiert

Der vielleicht interessanteste Befund steckt in den Rohdaten. Im bereinigten Produktnamen ist „Alnatura“ komplett verschwunden — aus „Alnatura Bio Olivenöl“ wurde schlicht „Bio Olivenöl“. Nur im ursprünglich gescrapten Rohnamen (name_raw) lebt die Marke weiter. Über diesen Rohnamen lassen sich die Artikel weiterhin zählen:

[Interaktive Grafik — in der Web-Ansicht auf foodally.ch]

Die Zahl der Alnatura-Herkunfts-Artikel sinkt nicht — sie bleibt hoch (rund 180–250 pro Monat, inklusive Neulistungen unter neuer Artikel-ID). Das stützt das Bild: Alnatura wird nicht ersatzlos gestrichen, sondern schrittweise ins Migros-Bio-Sortiment überführt und umbenannt. Die Olivenöl-Linie hält dabei konstant vier Artikel.

Belegbar ist: Umbenennung statt Verschwinden, und stabile Preise der verbliebenen Bio-Staples. Über einzelne Gebindegrössen, die in unseren Daten gar nicht auftauchen, treffen wir bewusst keine Aussage.

Fazit

Unterm Strich: Die Annahme, dass Migros seine Bio-Eigenmarken nach dem Wegfall des internen Konkurrenten nicht kannibalisiert, ist mit den Daten gut vereinbar.

Tägliche Migros-Preis-Snapshots, August 2025 – Juni 2026. Bio = Artikel mit organischem Qualitätslabel. Je Korbposition wird der am häufigsten gelistete Bio-Artikel als Leitprodukt verfolgt (Median je Monat). Alnatura-Erkennung über name_raw, da der bereinigte Name die Marke nicht mehr enthält. Der Index ist auf August 2025 = 100 normiert.